Männer
8. Dezember 2013
  • 15.Spieltag Landesklasse 2013/14

SSV 80 Gardelegen : FSV Havelberg 5:3 (0:3)

 

Havelberg zeigt zwei Gesichter

 

Gardelegen. Zum letzten Spiel des Kalenderjahres 2013 hatte der FSV ohne seinen Kapitän Steven Möbius, der sich im vergangenen Spiel leider schwerer verletzt hatte, die Reise nach Gardelegen anzutreten. Beim in dieser Spielzeit noch ungeschlagenen Tabellendritten konnte der FSV bislang noch nie gewinnen und so ging man mit der Marschroute ins Match, sich ohne jeden Druck so gut wie möglich zu verkaufen. Zwar sorgte der Umstand, dass entgegen aller Aussagen der Gastgeber, auf der "Rieselwiese" dann doch eine zehn Zentimeter hohe Schneedecke lag, für lange Gesichter und in der Tat hatte das Ganze folglich mit Fussballspielen oft nicht wirklich viel zu tun, aber der eine Punkt blieb fest im Visier der Domstädter.

Was dann jedoch die 71 Zuschauer in Gadelegen zu sehen bekamen, war Fussball verrückt. Zur Halbzeit lag der FSV verdient mit 3:0 in Front und wirklich niemand rechnete noch damit, dass der SSV seine Serien würde fortsetzen können, aber in Hälfte zwei brach der FSV regelrecht ein und schluckte schließlich noch fünf Gegentore. Es gibt im Fussball halt nichts, was es nicht gibt.

 

Beide Teams hatten von Beginn an einige Probleme mit dem schwierigen Geläuf, setzten aber hüben wie drüben auf Offensive. Ein langer Ball der Gardeleger auf ihren Goalgetter Schönefeld wurde von Havelbergs gut sortierter Abwehr abgefangen. Blitzschnell wurde umgeschaltet. Sven Leppin hatte gut vor das SSV Tor geflankt, aber Domenico Schluricke agierte hier nicht entschlossen genug (1.). In der 4.Minute hatte dann Benjamin Döring freie Bahn, aber das Spielgerät blieb regelrecht im Schnee stecken. Dribbling waren offensichtlich das falsche Mittel an diesem Tag. Nach sechs Minuten hatte dann der Gastgeber per Freistoß  das Havelberger Tor ins Visier genommen. Toni Leppin klärte das Ganze souverän per Kopf. Eine Zeigerumdrehung später hatte er jedoch einen weiteren langen Ball auf Schönefeld unterschätzt. Auch Bröker ließ sich vom SSV Goalgetter abdrängen, aber der zielte schließlich nur neben das Tor von Markus Herper (7.). Wieder nur eine Minute später ein nächster langer Ball der Gardeleger. Diesmal unterschätzt von Mario Gieseler, aber Daniel Rateitschak war hellwach und klärte die Situation (8.).

Gute zehn Minuten gab es dann praktisch keine einzige Torraumszene mehr. Havelbergs Defensive erstickte Gardelegens Offensivaktionen bereits im Keim, nach vorn hatte man aber noch nicht das rechte Mittel gefunden. In der 18.Minute dann eine erste Ecke, die Döring gut vor das Tor brachte und damit für ein heillosen Durcheinander sorgte. Zum Torerfolg sollte es aber nicht langen. Es folgten weitere acht Minuten, die der FSV Dank guter Abwehrarbeit in Richtung Punktgewinn brachten und nach einer knappen halben Stunde bahnte sich sogar noch mehr an. Die Havelberger hatten sich mit dem Schnee aragngiert und in der 26.Spielminute war Bejamin Döring ein erstes Mal von Thoralf Gennermann geschickt worden. Kurz vor der Strafraumgrenze wurde er jedoch zu Fall gebracht. Der folgende Freistoß brachte den Gastgeber erneut ins Schwitzen. Schließlich wurden die Schüsse von Markus Bröker und Toni Liebsch aber doch noch irgendwie abgeblockt. In der 28.Minute gab es erneut Freistoß für den FSV. Toni Leppin hatte Markus Nowak gefunden, der legte Domenico Schluricke auf, der mit argen Standproblemen diese Chance jedoch nicht nutzen konnte. Von Gardelegen war in dieser Phase gar nichts zu sehen. Die nächste Havelberger Chance hatte in der 32.Minute Sven Leppin nach guter Vorarbeit von Liebsch und Nowak, aber Havelbergs Rechtsaußen zog nicht durch.

Auch wenn Benjamin Döring einen weiteren Freistoß in der 34.Spielminute nur schwach neben das Tor setzte, die Havelberger Führung lag in der Luft. In der 39.Minute war es dann auch passiert. Thoralf Gennermann hatte Domenico Schluricke mit einem herrlichen Steilpass geschickt und der bugsierte das Spielgerät schließlich zum 0:1 über die Linie. Die Gardeleger waren sichtlich geschockt. Das hatten die Remiskönige der Liga nicht erwartet. Als dann Benjamin Döring nach klasse Pass von Toni Liebsch in der 41.Minute auf 2:0 stellte, war die Überraschung perfekt und als dann Sven Leppin fast nach dem gleichen Muster sogar das 3:0 erzielte, gab niemand der Anwesenden noch einen Cent auf den Gastgeber. Toni Leppin hatte wieder Schluricke steil geschickt, der legte quer und Sven Leppin brauchte das Leder nur noch über die Linie schieben (42.). Mit diesem nie erwartetet aber verdienten 3:0 ging es dann in die Kabinen.

 

Vielleicht wäre ein 1:0 besser gewesen. Womöglich wäre das Folgende dann nicht passiert. Die mahnenden Worte von Trainer Marx, dass der SSV jetzt nochmal alles versuchen würde, diese Blamage abzuwenden, verhallten ungehört. Viele Havelberger Akteure sahen sich bereist als sicherer Sieger und waren damit auch nicht allein. Aber wenn man dann das Fussballspielen fast komplett einstellt, gibt es natürlich die Quittung. Allen voran Markus Bröker, der als Linksverteidiger in Hälfte eins den verhinderten David Stamer noch sehr ordentlich ersetzte, war jetzt ein Totalausfall. Dieses Loch war gegen einen jetzt wie aufgedreht agierenden SSV nicht mehr zu stopfen. In der 47.Minute konnte Herper durch sein rechtszeitiges Herauslaufen das Schlimmste noch verhindern. Als dann Sven Leppin ein Zuspiel von Nowak nicht verwerten konnte (48.), nahm im Gegenzug das Schicksal seinen Lauf. Über Havelbergs linker Abwehrseite wurde Schönfeld freigespielt und der ließ Herper keine Abwehrchance - 1:3 (49.).

Havelberg hätte damit rechnen müssen und sollte nach diesem Gegentreffer nicht den Kopf verlieren, aber genau das taten die Domstädter dann doch. Im Grunde gelang dem FSV jetzt nichts mehr. Als Havelberg einen Freistoß abgewehrt hatte und konterte, standen Schluricke und Leppin im Abseits (54.). Vier Minuten später tat sich wieder ein Riesenloch in Havelbergs Hintermannschaft auf und diesmal war es Krziwanie, der das zu nutzen wußte - 2:3 (58.). Ein Freistoß brachte in der 60.Minute erneut Gefahr vor das Havelberger Tor. Dann hatte sich auch Thoralf Gennermann einen kapitalen Fehlpass geleistet. Herper war hier aber auf dem Posten (64.). In der 68.Minute war er dann aber wieder machtlos. Erneut über die linke Havelberger Abwehrseite, wo Bröker seine Arbeit inzwischen gänzlich eingestellt hatte, kam nun erneut Schönfeld in Ballbesitz und der SSV hatte ausgeglichen - 3:3. Der Schock saß nun bei den Havelbergern tief. In der 73.Minute ließ sich nun auch Mario Gieseler von Schönfeld den Ball abluchsen und der traf zum dreitten Mal - 4:3.

Vom Anstoß weg gab es dann eine erste vielversprechende Offensivaktion der Havelberger. Der Schuß von Schluricke brachte aber lediglich eine Ecke ein, die passend nichts einbrachte (74.) und dann folgte der K.O.. In der 77.Minute war Schönfeld zum x-ten Mal mit einem schönen Zuspiel freigespielt worden. Der lief allein auf Herper zu und wurde von diesem schließlich gefoult. Dabei verletzte sich Havelbergs Keeper auch noch und Bröker rückte an seine Stelle. Gegen den Strafstoß von Schönfeld hatte er dann keine Chance - 5:3 (80.). Der Drops war gelutscht. Bröker verhinderte dann noch einmal per Fußabwehr in der 82.Minute einen möglichen weiteren Einschlag und Toni Liebsch fand bei seinem Versuch in der 88.Minute in Gritzner seinen Meister, aber das war nur noch Auslaufen. Die drei Minuten Nachspielzeit hätte sich die nicht immer sicher wirkenden Schiedsrichterin Josephin Reinsch dann auch sparen können.

 

Der FSV hatte sich mit einer desolaten zweiten Spielhälfte ein weiteres Mal um drei Punkte gebracht und bleibt in Gardelegen weiter sieglos. Mit 19 Punkten geht es als Tabellenzehnter in die Winterpause und hat nun sechs Wochen Zeit, das Ganze aufzuarbeiten. Im Übrigen hat der FSV mit seinen diesmal fünf gelben Karten auch die Führung in der Fairplaywertung verloren.

 

Herper (G) (Rollenhagen); Rateitschak (G), Gieseler, T.Leppin (G),Bröker (G); Liebsch, Gennermann, S.Leppin, Nowak, Döring (G); Schluricke