Am Ende des Tages war sich das Trainerduo Bröker / Gennermann einig: „Das war ein Spiel, das alles hatte und dessen Ausgang uns natürlich freut. Ganz besonders für die Jungs, denn die haben eine wahnsinnige kämpferische Leistung auf die Platte gebracht.“
Dass das Pokalhalbfinale bei Saxonia Tangermünde an die Substanz gehen würde und den Spielern beider Seiten alles abverlangen würde, deutete sich bereits im Vorfeld an. Hohe Temperaturen und viel Sonnenschein begleiteten dieses Halbfinale vom Anpfiff an. Dabei war es von Vorteil, dass sich die Blau-Weißen (endlich einmal) sofort mit der ersten Chance belohnten und dem Spiel damit einen turbulenten Start gaben. Lucas Runst war nach Steckpass von Luiz Thiago Bröker zur Stelle und netzte abgeklärt ein (1`). Eine weitere Chance durch Theo Matthias Haut (3`) bestätigte die starke Anfangsphase der Gäste, änderte jedoch vorerst nichts am Ergebnis. In der Folge kamen die gastgebenden Saxonen besser in die Partie und bauten Stück für Stück mehr Druck in Richtung Gegnertor auf. Hochkarätige Chancen blieben allerdings aus. Diese hatte Ben Erik Blüthgen in der zehnten Minute im Doppelpack vorzuweisen, beide Male verhinderte jedoch der starke Tangermünder Schlussmann den Einschlag zum 0:2. Fallen sollte dieses dennoch, denn nach einer der aus den Chancen folgenden Ecke stand erneut Ben Erik Blüthgen mutterseelenallein im Strafraum und verwertete per Volley zum beruhigenden Zweitorevorsprung (11´). Die Freude darüber währte jedoch nur kurz, denn im Gegenzug kassierten die Domstädter nach einem langen Ball der Hausherren das 1:2 (12`). Die Saxonen waren vom Anschluss beflügelten und blieben in der Folgezeit griffig, was in der 16. Minute mit dem Ausgleich belohnt werden sollte. Vorausgegangen war eine Unordnung in der Havelberger Defensive, sodass ein einfacher Einwurf reichte, um die Hintermannschaft auszuhebeln (16`). Wie schnell es jedoch im Fußball gehen kann bewies Lucas Runst, als er wenige Sekunden vor der Halbzeit „das letzte Wort“ der ersten Halbzeit hatte, erneut traf und seine Mannen so mit einer Führung zum Pausentee schickte.
Die zweite Halbzeit sollte dann zu einer Achterbahnfahrt der Gefühle für alle Beteiligten werden. Eröffnet wurde diese durch den 3:3-Ausgleichstreffer der weiterhin sehr präsenten Saxonen (23`). Infolgedessen entwickelte sich ein offener Schlagabtausch mit Chancen auf beiden Seiten. Für die Blau-Weißen waren Lucas Runst mit einem Volley (24`) und Theo Matthias Haut (29`; nach einem starken Solo) ebenso wenig erfolgreich wie die in Rot spielenden Tangermünder, die ihren Meister immer wieder im stark parierenden Jannes Gasch fanden. Torerfolge stellten sich erst wieder in den letzten zehn Minuten ein, dafür umso zahlreicher. Einen fast schon zu weit gespielten Ball tippte Linus Rödiger noch am aufrückenden Verteidiger vorbei und machte dadurch die Bahn für den dritten Treffer von „Eisvogel“ Lucas Runst frei. Dieser nahm den Pass gekonnt an und mit, bewahrte kühlen Kopf und legte ihn anschließend am Gästetorwart vorbei ins Tor – 4:3 (31`). Wie schon zweimal zuvor, hatte der Gastgeber auch darauf eine Antwort parat. Und was für eine. Per Doppelschlag drehte man die Partie komplett und war fünf Minuten vor Ablauf der Spielzeit zum ersten Mal in Führung. Das Havelberger Trainergespann setzte nun alles auf eine Karte, stellte fünf Offensivkräfte auf und versuchte auf diese Art und Weise ein bitteres Aus abzuwenden. Die Schlussphase war von vielen Halbchancen und Schüssen und wenig Entlastung der Saxonen geprägt. Einzig der Ball wollte nicht über die Linie gehen oder wurde vom Keeper der Saxonen gekonnt abgewehrt. Mit dem Mute der Verzweiflung brachten die Havelberger Jungs das Spielgerät ein letztes Mal vor das Tor und wurden zur Freude aller Gästefans durch – wie könnte es an diesem Tag anders sein – Lucas Runst per Kopfballtreffer erlöst (40`). Es hieß 5:5 und wie es in Pokalspielen nun einmal ist, ging es in die Verlängerung (1 x 5 Minuten). In dieser waren es die Havelberger, die den Ton angaben und drauf und dran waren, das Spiel für sich zu entscheiden. Den einzigen im Spiel nicht sicher festgehaltenen Ball des Gästekeepers staubte Ben Erik Blüthgen ab und verfehlte das Tor nur um Zentimeter (42`). Und auch die letzte Chance des Spiels blieb aus Sicht der Domstädter ungenutzt, da man den Ball nach einer Ecke freistehend aus einem Meter nicht in sondern über das Tor köpfte. So kam es dazu, dass dieses Spiel das bekam, was es verdient hatte – ein Neunmeterschießen.
Nachdem sich Trainer und Mannschaft auf die Schützen einigten und die Spieler vereint am Mittelkreis Stellung aufgenommen hatten, trat Mats Elias Gieseler als erster Schütze an. Dieser wollte es zu genau machen und setzte den Ball an den rechten Außenpfosten, von wo aus er ins Aus ging. Glücklicherweise zeigte auch der erste Schütze der Saxonen Nerven und schob den Ball links am Tor vorbei. Mannschaftskapitän Theo Matthias Haut verlud den Keeper der Hausherren danach gekonnt und schob das Spielgerät unten links ins Netz – Vorteil FSV. Die Hoffnung auf den Finaleinzug nährte anschließend Jannes Gasch, als er den Schuss des zweiten Tangermünder Schützen zu vereiteln wusste. Als dritter Schütze trat für die Blau-Weißen Ben Erik Blüthgen an, der mit einem Treffer den Schlusspunkt setzen konnte. Unbeeindruckt vom auf ihm liegenden Druck schaute er den Keeper aus und schob den Ball überlegt und präzise ins untere rechte Eck. Schluss Aus Ende und Finaleinzug für die Domstädter, in dem es am 25.06.2023 um 10:00 im Stendaler Hölzchen gegen den Nachwuchs von Post Stendal geht.
Der anschließende Jubel kannte keine Grenzen und ließ auf Seiten der Havelberger nur glückliche Gesichter zurück. Die jungen FSVler belohnten sich für einen Riesenaufwand und bewiesen insbesondere nach der Führung der Saxonen eine unglaubliche Willensstärke. Kann man diese Euphorie und Einstellung mit ins Finale nehmen, ist die Überraschung gegen die in dieser Saison noch ungeschlagenen Kreisstädter möglich.
FSV: Jannes Gasch, Darijan Beier – Lucas Runst (4), Ben Erik Blüthgen (1), Mats Gieseler, Jakob Walther, Robin Trux, Theo Matthias Haut, Linus Rödiger, Domenik Lahl, Luiz Thiago Bröker
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